Das Altern ist von vielen Faktoren abhängig, verläuft nicht gleichmäßig und ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Ein großer Punkt, der viele Menschen betrifft, ist das Kauvermögen im Alter und die Versorgung der Zähne. Viele Menschen glauben, dass es sich nicht mehr lohnt, ab einem gewissen Alter sich beispielsweise mit festsitzendem Zahnersatz zu versorgen, doch dem ist nicht so. Eine gute Versorgung ist essenziell für die Lebensqualität sowie die allgemeine Gesundheit physisch und psychisch. Wir erklären Ihnen, wieso.
Mit zunehmendem Alter wird es für Menschen auf Grund eingeschränkten Kauvermögens schwieriger sich gesund zu ernähren [2]. 1/3 der Menschen über 65 Jahre haben deutlich Schwierigkeiten zu kauen. Oft wird demnach das Essen nach dem Kauvermögen ausgewählt, und nicht nach dem Nährstoffgehalt. Dabei ist eine gute Ernährung das A und O für die Gesunderhaltung der körperlichen Funktionen. Gerade auch im Alter.
Studien zeigen, dass 10-15 % der Hochbetagten es sogar überhaupt nicht mehr schafft selbst zu kauen. Hier ist der prothetische Versorgungsstand natürlich zusätzlich entscheidend, [1] aber auch gewisse andere Faktoren wie soziale und ökonomische Faktoren spielen eine Rolle. Der allgemeine Gesundheitszustand, die körperliche Fitness, der soziale Status, wieviel Geld für die Ernährung zur Verfügung steht und ob noch eine Partnerin oder ein Partner mit im Haushalt lebt, tragen zum Gesamtbild entscheidend bei [2].
Allein durch das Alter zeigt sich aber noch keine Verringerung der Kaueffizienz. Vielmehr hängt die Abnahme zusätzlich mit dem Rückgang der Muskelkraft zusammen. Das passiert durch Schwinden des Muskelgewebes der Kaumuskulatur. In Wechselwirkung mit dem Zahnverlust entsteht so eine Spirale mit Abwärtstrend. Das bedeutet, je mehr Zähne verloren gehen, desto weniger kann gekaut werden. Desto weniger Reiz bekommen die Muskeln und verlieren daher an Masse und somit an Kraft. Was dazu führt, dass auch die maximale Kieferschließkraft abnimmt. [2].
Bei TrägerInnen von herausnehmbarem Zahnersatz spielt auch die Schmerzschwelle noch eine entscheidende Rolle. Bei Prothesen nämlich, die ganz oder teilweise von der Schleimhaut getragen werden, wird die maximale Kieferschließkraft zusätzlich durch die Schmerzschwelle der tragenden Schleimhaut begrenzt. Das heißt, ist die Prothese unangenehm und schmerzt beim Zubeißen, wird auch hier noch mal weniger „gearbeitet“ und der Muskel verliert weiter seine Masse. Auch passgenauer Zahnersatz kann dann die Kaueffizienz nur teilweise wiederherstellen [2].
Vergleicht man die Betagten, die noch gesund und fit zu Hause und im sozialen Leben sind mit denen in der gleichen Altersklasse, die in der Krankenpflege sind, stellt man fest, dass bereits bis zu 60 % der Menschen in Pflege Erscheinungen von Mangelernährung aufweisen [1]. Im Barmer Pflegereport von 2014 wurde festgestellt, dass es hier eine zahnmedizinische Unterversorgung gibt. Es spielt also die Pflegeabhängigkeit eine tragende Rolle.
Aber auch ganz unabhängig vom Alter zeigt sich, dass bei Menschen, die zum Pflegefall werden, sich die Mundgesundheit deutlich verschlechtert [1].
Vielen Patienten, die in Ihrer Kauleistung eingeschränkt sind, ist es peinlich in der Öffentlichkeit und zum Teil auch vor Ihrer Familie zu essen. Sie wollen nicht, dass jemand die schlechtsitzende Prothese bemerkt. Das ist ein eindeutiger Stressfaktor, mindert die Lebensqualität und wirkt sich auf die Psyche dieser Menschen aus [2]. Es hat sicherlich jeder schon einmal erfahren, wie es ist, wenn man sich aus bestimmten Gründen nicht wohlfühlt und eigentlich lieber sicher zu Hause in seinen eigenen vier Wänden wäre. Da wird es verständlich, dass man die Öffentlichkeit meidet, wenn man sich dauerhaft so unwohl fühlt.
Tabelle 1: Soziale Aktivitäten von 104 zahnlosen mit Totalprothesen [Grafik gezeichnet nach Daten von Wismejer et. Al]
Wichtig ist, nach einer ordentlichen prothetischen Versorgung, eine Therapie zu veranschlagen, die auch das Kauen und damit die Muskeln trainiert. Nur so kann ein entsprechend gutes Kauvermögen wiederhergestellt werden. Um die Fortschritte einer solchen Therapie zu überprüfen, ist es sinnvoll den Kauleistungstest CHEW einzusetzen. So können Sie von Mal zu Mal vergleichen, wie sich die Kauleistung entwickelt. Sie möchten sich gleich einen Termin ausmachen? Im Zahnarztfinder finden Sie alle Zahnärztinnen und Zahnärzte, die den Kauleistungstest CHEW anbieten.
(1) G. Kolb, A. Leischker, P. Rehmann, B. Wöstmann: Kaufunktion und Ernährungsstatus. Aktuel Ernahrungsmed (2016)
(2) F. Müller / I. Nitschke: Mundgesundheit, Zahnstatus und Ernährung im Alter Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, Band 38, Heft 5 (2005)
Erkunden Sie unsere Wissensdatenbank zu den verschiedensten Themen der Mundgesundheit.