Schmerzen im Rücken sind weit verbreitet. Meist ist keine spezifische Ursache feststellbar – dieser Umstand deutet auf die vielfältigen Faktoren hin. Können Schmerzen im Rücken auch mit dem Kauorgan in Verbindung gebracht werden? Das können Sie bei uns nachlesen.
Sie haben eine hohen Prävalenzrate von über 50%, in bestimmte Bevölkerungsgruppe teilweise noch höher. Meist ist keine spezifische Ursache feststellbar – dieser Umstand deutet auf die vielfältigen Faktoren hin, die dafür möglicherweise verantwortlich sind oder als beeinflussende Größen berücksichtigt werden müssen [1]. Falls es jedoch über das Kauorgan möglich ist, einen chronischen Schmerz zu lindern und / oder eine Verbesserung der Körperhaltung zu erzielen, dann kann dies erheblich zu einer Verbesserung der Gesundheitsstatus der Bevölkerung beitragen.
Es mag auf den ersten Blick verwundern, das Kauorgan mit der Körperhaltung in Verbindung zu bringen. Dabei sind zwei Aspekte bemerkenswert: einerseits die aufrechte Körperhaltung, die ein rasches und ausdauerndes Fortbewegen ermöglicht, bei gleichzeitiger Freiheit von Armen und Händen; andererseits die Dominanz der sensorischen Funktionen wie Sehen und Hören, die eine große Bewegungsfreiheit des Kopfes benötigen, um einen hohen Wirkungsgrad entfalten zu können.
Die wissenschaftliche Literatur kann noch keine finalen Antworten auf die Frage geben, wie die Körperhaltung von einer Kieferfehlstellung beeinflusst wird oder aber auch ob eine falsche Körperhaltung eine Veränderung der Okklusion und damit ein Malokklusion verursachen kann.
Um diese Zusammenhänge klären zu können, werden häufig Messungen mit Druckverteilungs-Messplattformen vorgenommen, auf denen der Proband aufrecht steht. Der Köperschwerpunkt kann so dargestellt werden, und daraus die Standstabilität und die Symmetrie der Druckverteilung abgeleitet werden. Da die aufrechte Körperhaltung stark mit dem Sehen gekoppelt ist, werden Messungen in der Regel mit offenen und geschlossenen Augen durchgeführt. Der Einfluss der Okklusion auf die Standstabilität kann ebenfalls berücksichtigt werden.
Die Ergebnisse einiger Studien zeigen, dass bei bestimmten Kieferfehlstellungen und auch bei Abweichungen von der Regelverzahnung eine höhere Instabilität des aufrechten Standes vorkommt, besonders bei geschlossenen Augen. Daraus lässt sich ableiten, dass bei solchen okklusalen Abweichungen die visuelle Kontrolle stärker erforderlich ist. Asymmetrische Okklusionsanomalien wie der einseitige Kreuzbiss führen zu einer Verlagerung des Körperschwerpunktes nach hinten und zur Seite [2].
In Folge stellt sich die Frage, ob sich eine systematische Veränderung der Okklusion auf die posturale Kontrolle auswirkt. Studien mit Leistungssportlern haben gezeigt, dass eine gut trainierte und koordinierte Muskulatur deutlich weniger beeinflussbar ist als die nicht trainierte Muskulatur, die noch dazu unkoordiniert sein kann [3].
Der Kopf des Menschen ist aufgrund der aufrechten Körperhaltung zentriert über dem Körper positioniert. Die Beweglichkeit der Halswirbelsäule erlaubt dem Menschen die freie Bewegung des Kopfes, mit dem Ziel, das Blickfeld möglichst zu erweitern. Die nach vorne gerichteten Augen erlauben einen exzellenten räumlichen Überblick in Fortbewegungsrichtung.
Die vielfältigen Bewegungsmöglichkeiten der Halswirbelsäule, unterstützt durch die Bewegungsvielfalt der Augen, erlauben ein weites Spektrum visueller Möglichkeiten. Der Kopf ruht dabei auf kleinen Gelenken. Dabei soll die Beweglichkeit möglichst wenig eingeschränkt werden. Die Zentrierung des Kopfes erfolgt beim Menschen – anders als bei vielen anderen Spezies – weitgehend durch Muskeln. Dies bedeutet, dass die Balance des Kopfes bei aufrechter Körperhaltung durch die Muskeln des Nackens und des Halses gewährleistet wird.
Dieses System ist dann ausgewogen, wenn die Zähne eine bestimmte Höhe und Form aufweisen. Gehen Zähne teilweise oder ganz verloren, kommt auch diese Balance ins Ungleichgewicht. Der Unterkiefer muss, um die Zähne in Kontakt zu bringen, verstärkt nach oben gebracht werden. Dies führt zu einer erhöhten Spannung im Halsbereich. Diese Spannung kann zu einer Beeinträchtigung der anderen Funktionen des Kauorgans führen. Als Folge wird der Kopf nach vorne gebeugt, um die Spannung zu vermindern. Dies führt wiederum zu einem Verspannen des Nackens mit hochgezogenen Schultern und der angestrengten Nackenmuskulatur [4; 5].
Die Zähne werden benützt, wenn schwere Lasten angehoben werden. Der Mensch beißt dann auf seine Zähne, um die Kraftübertragung zu optimieren. Aber auch bei gezielten, feinmotorischen Tätigkeiten mit den Händen werden Zähne benützt, um die innere Spannung, die bei konzentrierten Arbeiten auftritt, abzuleiten. Solche Tätigkeiten erfolgen durch Koordination von Augen und Händen, die Zähne sind Stabilisatoren. Jedoch anders als beim Heben und Tragen von schweren Lasten sind dabei nicht alle Zähne in Kontakt, sondern nur einzelne Zähne oder Zahngruppen. Es besteht Ähnlichkeit zwischen solchen Zahnkontakten und dem Verarbeiten von Stressimpulsen durch das Kauorgan. Feinmotorische Arbeiten erfordern eine entspannte Muskulatur der Hände; der Zahnkontakt während diesen Tätigkeiten dient der Stabilisierung der Körperhaltung. Die Zähne stellen bei konzentriertem Arbeiten somit ein Ventil dar [6].
Bleiben Sie gesund!
Ihr Orehab Minds-Team
1 Raspe, H et al. Back pain, a communicable disease? International Journal of Epidemiology 37;1 pp.69–74 (2008)
2 Groschopp, St Auswirkungen von Geschlecht, Alter und kieferorthopädischem Befund auf Körperschwerpunkt und Standstabilität. Dissertation Universität Marburg Abteilung für Kieferorthopädie (2017)
3 Ohlendorf, D et al. Kurzzeiteffekte einer temporär erzeugten Okklusionsveränderung auf die posturale Kontrolle bei männlichen Leistungssportlern. Schweiz Z Med Traumatol 61;7-12 (2013)
4 Orthlieb, JD and Ehrmann, E Déterminants du choix de la DVO thérapeutique. Réal Clin 24.2 (2013): 133-8.
5 Orthlieb, JD et al. Vertical dimension of occlusion: The keys to decision International journal of stomatology & occlusion medicine 2.3; 147-159 2009
6 Simma-Kletschka, I und Höller, EM Ganzheitliche Zahnheilkunde. Integrative Medizin. Springer, Berlin, Heidelberg 591-639 (2019)
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